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Mikroplastik und Nanoplastik
- Eine unsichtbare Bedrohung

Siehe: Nanoplastik in Arterien und Gehirn


Plastik: Eine Erfolgsgeschichte mit Nebenwirkungen

Als die Massenproduktion von Kunst­stoffen in den 1950er Jah­ren be­gann, war die Be­geiste­rung ver­ständ­lich. Plastik ist leicht, formbar, wasser­dicht, hygie­nisch, elektrisch isolierend, chemisch weit­gehend inert und vor allem billig her­zustellen. Kein anderes Material ver­eint so viele nütz­liche Eigen­schaften. Innerhalb weniger Jahr­zehnte er­oberte es nahezu jeden Bereich des All­tags: Verpackun­gen, Medizin­produkte, Fahrzeug­teile, Elektronik, Kleidung, Möbel, Spielzeug, Rohr­leitungen. Insbeson­dere Einweg­verpackungen aus Plastik revolutio­nier­ten den Lebens­mittel­handel - sie sind hygie­nisch, transpa­rent, luft­dicht ver­siegel­bar und ver­längern die Haltbar­keit von Lebens­mitteln er­heb­lich. Kein Wunder, dass die globale Kunst­stoff­produk­tion von rund 1,5 Millio­nen Tonnen im Jahr 1950 auf über 400 Millio­nen Tonnen jähr­lich heute an­ge­stie­gen ist.

Das Problem liegt in einer Eigen­schaft, die lange als Vorzug galt: Plastik ist außer­ordent­lich be­ständig. Es rostet nicht, fault nicht, zersetzt sich nicht biolo­gisch. Was den Werk­stoff so nütz­lich macht, macht ihn gleich­zeitig zur dauer­haften Umwelt­last. Kunststoff­müll, der in die Natur ge­langt, bleibt dort - nicht für Jahre, sondern für Jahr­hun­derte. Und er zer­fällt dabei nicht einfach, er zer­bricht: in immer kleinere Fragmente, die sich über­all ver­teilen, in Böden, Gewässer, Luft und schließ­lich in lebende Organis­men.


Mikroplastik: Quellen und Ausmaß

Als Mikroplastik bezeichnet man Kunststoff­partikel mit einem Durch­messer von weniger als fünf Milli­metern. Man unter­scheidet primäres Mikro­plastik, das von vorn­herein in dieser Größe her­ge­stellt wird - etwa als Mikro­perlen in Kosmetika oder als Industrie­granulat -, von sekundä­rem Mikro­plastik, das durch den Zer­fall größe­rer Kunst­stoff­teile ent­steht.

Die größten Quellen von Mikroplastik sind je nach Region unter­schied­lich ge­wichtet. In Europa, beson­ders in Deutsch­land mit seiner hohen Fahrzeug­dichte, dominie­ren zwei Quellen das Bild: Reifen­abrieb und synthe­tische Textil­fasern. Beim Fahren reiben Auto­reifen kontinuier­lich auf dem Asphalt ab und hinter­lassen feinste Gummi­fragmente, die haupt­säch­lich aus Styrol-Butadien-Kautschuk be­stehen. Schät­zun­gen zufolge stammen in west­europä­ischen Ländern bis zu 50% des in die Umwelt einge­tragenen Mikro­plastiks aus diesem Ab­rieb. Regen spült die Partikel von den Straßen in Kanalisa­tion und Ge­wässer.

Die zweite große Quelle sind synthe­tische Texti­lien. Kleidung aus Polyes­ter, Nylon oder Acryl ver­liert beim Maschinen­waschen Tausende winzi­ger Fasern pro Wasch­gang. Diese ge­langen ins Abwasser, und obwohl moder­ne Klär­anlagen einen Groß­teil der Partikel zurück­halten, sind Nano­plastik­partikel zu klein, um voll­ständig heraus­gefil­tert zu werden. Was durch­kommt, landet in Flüssen und letzt­lich im Meer.

Weitere relevante Quellen in Europa sind der Abrieb von Straßen­markie­run­gen und Kunststoff-Schuh­sohlen, der Ver­schleiß von Kunst­stoff­teilen im Außen­bereich sowie - weniger bekannt - das Ver­blenden von Kunst­rasen­plätzen mit Gummi­granulat aus recycel­ten Alt­reifen. Dieses Granulat wird bei jedem Regen und Wind in die Um­gebung ge­tragen.

In Deutschland und den meisten west­europä­ischen Ländern funktio­niert die Abfall­wirt­schaft ver­gleichs­weise gut: Ver­packungs­müll wird getrennt ge­sammelt, ein Groß­teil ver­brannt oder recycelt. Das verhindert, dass grober Plastik­müll in großen Mengen direkt in Ge­wässer ge­langt. Anders sieht es in Teilen Asiens und Afrikas aus, wo es im Zuge des Bevölke­rungs­wachstums nicht ge­lun­gen ist, adäquate Ent­sorgungs-Infrastruk­tur und das ent­sprechende gesell­schaft­liche Bewusst­sein zu etablie­ren. Ein erheb­li­cher Anteil des welt­weiten Plastik­eintrags in die Ozeane stammt aus wenigen stark be­laste­ten Flüssen, hauptsäch­lich in Süd- und Süd­ost­asien.

In den Meeren akkumuliert sich Plastik in riesigen An­sammlun­gen, ange­trieben von Meeres­strömun­gen. Der be­kannteste dieser „Müll­strudel“ im Nord­pazifik um­fasst eine Fläche, die grob mit Westeuropa ver­gleich­bar ist. Hier werden Plastik­teile durch Wellen­bewegung, UV-Strah­lung und Temperatur­schwankun­gen kontinuier­lich weiter zer­mahlen.


Plastikteile als Futter: Die Verwechslungsgefahr

Für viele Meerestiere ist Plastik op­tisch von Nah­rung kaum zu unter­scheiden. Seevögel - beson­ders Albatrosse und Sturm­taucher - verwechseln bunte Plastik­fragmente mit Fisch­eiern oder kleinen Krebs­tieren. Sie ver­füttern diese Stücke an ihren Nach­wuchs. Aufge­schnit­tene Vogel­magen zeigen er­schrecken­de Samm­lun­gen aus Kron­korken, Feuer­zeugen und Plastik­fragmen­ten; die Tiere ver­hungern mit vollem Magen, weil das Plastik keinen Nähr­wert hat und den Verdauungs­trakt blockiert. Meeres­schild­kröten ver­wechseln treibende Plastik­tüten mit Quallen, ihrer be­vorzug­ten Beute. Auch viele Fisch­arten schnappen reflex­artig nach schwimmen­den Partikeln. Die Folgen sind chroni­sche Ver­letzun­gen, Ent­zündun­gen und oft der Tod.

Dieses Verwechslungsproblem betrifft vor allem sicht­bare Plastik­stücke und größe­res Mikro­plastik. Nanoplastik hin­gegen ist für kein Tier ge­zielt auf­nehmbar - es ist schlicht un­sicht­bar. Es wird statt­dessen passiv auf­genommen: Plankton filtert es aus dem Wasser, ohne es von Nahrungs­molekü­len unter­scheiden zu können. Das ist flächen­decken­der und in ge­wissem Sinne heim­tücki­scher, denn es be­trifft die ge­samte Basis der marinen Nahrungs­kette.


Nanoplastik: Das eigentliche Problem

Nanoplastik bezeichnet Partikel, die kleiner als ein Mikro­meter sind, also kleiner als ein tausends­tel Milli­meter. Zum Ver­gleich: Ein mensch­li­ches Haar ist etwa 70 Mikro­meter dick - Nanoplastik­partikel sind damit 70- bis tausend­mal kleiner. Sie ent­stehen als End­produkt der fort­gesetz­ten Fragmentie­rung von Plastik durch UV-Strahlung, mechani­schen Ab­rieb und Temperatur­wechsel. Neuere Forschung der Columbia Uni­versity zeigte 2025, wie genau dieser Prozess ab­läuft: Zunächst zer­fallen die amorphen, un­geord­neten Bereiche in den Polymer­ketten, während die kristalli­nen Bereiche länger stand­halten - was er­klärt, warum bestimmte Kunst­stoff­typen beson­ders leicht Nano­plastik frei­setzen.

Nanoplastik ist mittlerweile buchstäb­lich über­all nach­ge­wiesen worden: im Schnee der Antarktis, in der Tief­see, in der Atmos­phäre, im Trink­wasser, in Lebens­mitteln.


Warum Nanoplastik so beständig ist

Die außergewöhnliche Stabilität von Nano­plastik - und von Plastik über­haupt - hat eine klare chemische Ursache. Die am häufigs­ten vor­kommen­den Kunst­stoffe, Polyethylen (PE), Polypropylen (PP) und Polystyrol (PS), bestehen aus langen Ketten von Kohlen­stoff-Kohlen­stoff-Bindungen, an denen aus­schließ­lich Wasser­stoff hängt. Diese C-C- und C-H-Bindungen sind chemisch außer­ordent­lich stabil und vor allem: Sie bieten keine An­griffs­punkte für biolo­gische oder chemische Abbau­prozesse.

Der wichtigste natürliche Abbau­weg für Polymere ist die Hydrolyse - das Auf­brechen von Bindun­gen durch Wasser, oft unter­stützt durch Enzyme. Hydrolyse funktio­niert aber nur an be­stimm­ten funktio­nellen Gruppen, zum Beispiel Ester- oder Amid-Bindungen. PE, PP und PS besitzen solche Gruppen nicht. Wasser perlt an ihrer hydro­phoben Ober­fläche ab, Enzyme finden nichts zum An­docken. Zum Ver­gleich: PET-Flaschen ent­halten Ester­bindungen - deshalb gibt es tatsäch­lich Bakterien, die PET langsam ab­bauen können. Für PE, PP und PS existiert kein solcher Abbau­weg in der Praxis.

UV-Strahlung kann Polymer­ketten durch Photo­oxida­tion zwar auf­spalten - aber das ist keine echte Zerset­zung zu harm­losen Ver­bindun­gen wie CO₂ und Wasser, sondern nur weitere Fragmentie­rung zu noch kleine­ren Partikeln. Auch mechani­scher Ab­rieb zer­stört das Material nicht chemisch, er zer­kleinert es nur. Das Nano­plastik, das dabei ent­steht, ist chemisch iden­tisch mit dem ursprüng­li­chen Kunst­stoff - nur eben in einer Größe, die biolo­gische Barrieren über­winden kann.


Nanoplastik in Pflanzen

Ein Forschungsbereich, der bislang wenig öffent­liche Aufmerksam­keit erhalten hat, ist die Auf­nahme von Nano­plastik durch Pflanzen. Labor­versuche der TU Graz legen nahe, dass landwirt­schaft­liche Nutz­pflanzen grund­sätz­lich Nano­plastik auf­nehmen. Der Nach­weis war lange schwierig, weil Nano­plastik­partikel selbst unter hoch­auflösen­den Mikrosko­pen kaum von Mineral­partikeln oder Pflanzen­bestand­teilen zu unter­scheiden sind. Das Grazer Team löste das Problem mit einer elegan­ten Methode: Die Plastik­partikel wurden mit Gold-Nano­partikeln markiert, die einen Kontrast zum biolo­gischen Gewebe er­zeugen und so im Elektronen­mikroskop sicht­bar werden.

Besonders aufschlussreich sind Er­gebnisse der Eid­genössi­schen Forschungs­anstalt WSL in der Schweiz zu Waldbäumen. Die Forscher stell­ten über­raschend fest, dass die aufge­nommene Menge an Nano­plastik nicht proportio­nal zur auf­genomme­nen Wasser­menge war. Das deutet darauf hin, dass Nano­plastik nicht passiv mit dem Wasser­strom durch Risse im Wurzel­gewebe ein­dringt, sondern aktiv in Wurzel­zellen auf­genom­men und von dort in den Stamm und die Baum­krone transpor­tiert wird. Das ist ein wichti­ger Unter­schied: Es handelt sich um einen biolo­gisch aktiven Auf­nahme­prozess, nicht um einen bloßen Filter­effekt.

Schweizer Forscher wiesen zudem erst­mals nach, dass Nano­plastik einen mess­baren negati­ven Ein­fluss auf die Photo­synthese hat: Ein Teil der Sonnen­licht­energie wird nicht mehr für die Photo­synthese ge­nutzt, sondern als Wärme ab­gegeben - eine typische Stress­reaktion, die vermut­lich dadurch ent­steht, dass Nano­plastik in Zell­membranen ein­ge­lagert wird und diese schädigt.

Für die menschliche Ernäh­rung ist die ent­scheidende offene Frage, ob Nano­plastik aus den Wurzeln auch in die ess­baren Teile der Pflanze - also etwa in Getreide­körner - vordringt. Feld­versuche der TU Graz laufen der­zeit mit genau diesem Ziel. Sollte sich be­stätigen, dass Nano­plastik in Brot und anderen Getreide­produkten nach­weis­bar ist, wäre das eine Kontamina­tions­quelle, die bis­lang kaum jemand auf dem Schirm hatte.


Nanoplastik in unserer Nahrung

Eine Studie der Columbia Uni­versity fand in einem Liter Mineral­wasser aus Plastik­flaschen bis zu 370.000 Nano­plastik­partikel - hundert­mal mehr als frühere Messun­gen mit weniger empfind­li­chen Methoden er­geben hat­ten.

Wie oben beschrieben, nehmen nicht nur Tiere und Menschen Nano­plastik auf, sondern auch Pflanzen - aktiv über ihre Wurzel­zellen. Das Nano­plastik wandert von der Wurzel auf­wärts in Stamm, Blätter und mög­licher­weise in Früchte und Samen. Wenn sich be­stätigt, dass Nano­plastik in Getreide­körner ge­langt, bedeutet das: Ein Mensch, der konse­quent auf Plastik­verpackun­gen ver­zichtet, Leitungs­wasser statt Flaschen­wasser trinkt und Meeres­früchte meidet, ist über sein täg­li­ches Brot dennoch expo­niert. Das ist eine er­nüchtern­de Perspek­tive.

2019 schockierte ein WWF-Report mit einer Zahl: Jeder Mensch würde pro Woche bis zu 5 Gramm Plastik­partikel essen oder trinken - das ent­spricht dem Gewicht einer Kredit­karte. Die 5 g wurden er­rechnet, indem man alle ge­messe­nen Maximal­mengen in Wasser, Luft, Salz etc. zu einer theoreti­schen Summe hoch­rechnete (pessimis­tische Ober­grenze). Bei realisti­schen An­nahmen liegt die Auf­nahme ver­mutlich "nur" im Milli­gramm-Bereich pro Woche. Und wie weiter unten be­schrieben wird, wird das meiste davon wieder aus­ge­schieden. Aber halt nicht alles.


Nanoplastik im menschlichen und tierischen Körper

Aufnahme und Verteilung

Nanoplastik gelangt auf mehreren Wegen in den Körper: über die Nah­rung und das Trink­wasser, über die Atemluft - beson­ders in der Nähe von Straßen und in Innen­räumen mit Kunststoff­böden - und in geringe­rem Maße über die Haut.

Neuere Forschung zeigt, dass insbeson­dere Hitze die Freiset­zung von Nano­plastik aus Ver­packun­gen drama­tisch be­schleu­nigt: Eine im Sommer im Auto ver­gessene PET-Flasche kann die Nano­plastik-Konzentra­tion im ent­haltenen Wasser inner­halb einer Stunde um das Zwanzig­fache steigern.

Im Körper verhält sich Nanoplastik grund­legend anders als Mikro­plastik. Während größere Partikel über­wiegend im Verdauungs­trakt ver­bleiben und zum Groß­teil ausge­schie­den werden, kann Nano­plastik biolo­gische Schutz­barrieren über­winden, die der mensch­liche Körper im Laufe der Evolu­tion gegen Fremd­körper ent­wickelt hat.
Nanopartikel durch­dringen die Darm­wand, die Lungen­barriere und die Plazenta­schranke. Am be­unruhigends­ten ist die Fähig­keit, die Blut-Hirn-Schranke zu über­winden - eine der am stärks­ten ge­schütz­ten Barrie­ren des Körpers, die das empfind­liche Gehirn­gewebe von Schad­stoffen im Blut­kreis­lauf trennt.


Verbleib in Zellen

Forscher der Medizinischen Universität Wien beobachte­ten, dass Nano­plastik auf­grund seiner körper­fremden chemischen Zu­sammenset­zung im Gegen­satz zu ande­ren Fremd­körpern biolo­gischen Ur­sprungs nicht ab­gebaut wird. Beson­ders gravie­rend: Die Partikel werden bei der Zelltei­lung an neu gebilde­te Tochter­zellen weiter­gegeben und sind damit be­ständi­ger im mensch­li­chen Körper als ursprüng­lich an­ge­nom­men. Das ist eine qualita­tiv neue Er­kenntnis: Nano­plastik akkumu­liert nicht nur in Organen, es pflanzt sich auf Zell­ebene fort.

Die Forscher befürchten, dass von Nano­plastik eine chronische Toxizität aus­geht: Die Partikel er­füllen bereits zwei von drei Kriteri­en, mit denen im Rahmen der EU-Chemi­kalien­verord­nung REACH Stoffe als bedenk­lich einge­stuft werden - hohe Auf­nahme und langer Verbleib im Körper.

Nanoplastik im Gehirn

Besonders besorgniserregend sind die Befunde zum mensch­li­chen Gehirn. Eine im Februar 2025 im Fach­journal *Nature Medicine* ver­öffent­lichte Studie der Uni­versity of New Mexico analysier­te post­mortal ent­nommene Gewebe­proben von Ver­storbe­nen aus den Jah­ren 2016 und 2024. Die Konzentra­tion von Nano- und Mikro­plastik im Gehirn war in den neueren Proben beson­ders hoch - bis zu 30-mal höher als in Leber oder Niere. Am häufigs­ten fanden die Forscher Poly­ethylen, das im Gehirn 75% des gesam­ten ge­funde­nen Kunst­stoffs aus­machte.

Besonders auffällig: Bei Gehirn­proben von Men­schen mit nach­gewiese­ner Demenz-Erkrankung war die Plastikbelas­tung nochmals deut­lich höher, mit Werten zwi­schen 12.000 und 48.000 Mikro­gramm pro Gramm Gewebe. Die Forscher betonen aus­drücklich, dass diese Daten assozia­tiv sind und keinen Kausal­zusammen­hang be­weisen - aber der Befund ist Anlass für dringend not­wendige Folge­forschung.

Nanoplastik in den Arterien

Im März 2024 erschien im renommierten *New England Journal of Medicine* eine Studie, die unmittel­bar für Auf­sehen sorgte. Forscher unter­suchten arteriosklero­tische Plaques - Ablage­run­gen in den Halsschlag­adern - von 304 Patien­ten. In der Gruppe mit nach­gewiese­nen Plastik­partikeln in den Plaques er­litten inner­halb von durch­schnitt­lich 33,7 Monaten 30 von 150 Patienten (20%) ein akutes kardiovasku­läres Er­eignis wie Herz­infarkt oder Schlag­anfall, verg­li­chen mit 8 von 107 (7,5%) in der Gruppe ohne nach­gewiese­ne Partikel.

Als Mechanismus wird disku­tiert, dass Plastik­partikel Ent­zündungs­prozesse im Gefäß­gewebe fördern und oxidati­ven Stress in Endothel­zellen aus­lösen - Prozesse, die Arterioskle­rose be­schleuni­gen können. Auch hier gilt: Korrela­tion ist kein Beweis für Kausali­tät. Aber der statis­tische Unter­schied ist er­heb­lich.


Ein Vergleich mit Asbest

Mehrere Wissenschaftler haben eine Analogie ge­zogen, die zum Nach­denken an­regt: Nano­plastik ähnelt in seiner Wirk­weise Asbest. Auch Asbest­fasern sind chemisch inert und werden vom Körper nicht ab­gebaut. Ihre Gefähr­lich­keit kommt nicht aus einer chemi­schen Toxizi­tät, sondern aus ihrer physika­lischen Persis­tenz: Sie lagern sich dauer­haft in Lungen­gewebe ein, lösen chroni­sche Ent­zündun­gen aus und führen lang­fristig zu schwerem Krebs.

Nanoplastik-Partikel haben ähn­liche Eigen­schaften: sie sind persistent, chemisch nicht abbau­bar, lösen Ent­zündungs­reak­tio­nen aus und dringen tief in Gewebe ein. Ob die Langzeit­folgen ver­gleich­bar ver­heerend sind, weiß die Wissen­schaft noch nicht. Aber die Analogie ist ernst genug, um sie nicht zu igno­rie­ren.

Schadstoffträger

Nanoplastik ist wegen seiner enormen spezifi­schen Ober­fläche - pro Masseein­heit bis zu tausend­mal größer als bei Mikro­plastik - ein hoch­effizien­ter Träger für andere Schad­stoffe. An der hydro­phoben Kunst­stoff­oberfläche lagern sich be­vorzugt eben­falls hydrophobe Ver­bindungen an: Schwer­metalle, persisten­te organi­sche Schad­stoffe, Pestizide, poly­zyklische aroma­tische Kohlen­wasser­stoffe. Diese Schad­stoffe können beim Ein­dringen von Nano­plastik in Zellen frei­gesetzt werden und dort ihrer­seits Schaden an­richten - bis hin zu DNA-Schäden.


Einordnung und Ausblick

Die Forschungslage zum Nanoplastik hat sich in den letz­ten zwei Jah­ren deut­lich ver­dichtet. Nano­plastik ist nachweis­lich in nahezu allen mensch­li­chen Organen vor­handen, die Konzentra­tion nimmt mess­bar zu, und es gibt mehrere biolo­gisch plausible Mechanis­men, über die Schaden ent­stehen kann. Was noch fehlt, sind die großen Langzeit­studien, die Kausali­täten ein­deutig be­legen. Die Wissen­schaft ist - methodisch zu Recht - vorsichtig und spricht von Assozia­tionen, nicht von Be­weisen.

Diese Vorsicht sollte aber nicht als Ent­warnung miss­verstan­den werden. Der Umstand, dass wir heute keine siche­ren Langzeit­daten haben, liegt auch daran, dass Nano­plastik mess­technisch erst seit wenigen Jahren über­haupt nachweis­bar ist. Das Phänomen ist neu, die Methoden sind neu, und die Belas­tung der Umwelt steigt derweil weiter an.

Als einzige wirkungsvolle Gegen­maßnahme gilt die Reduk­tion von Plastik­produk­tion und -eintrag in die Umwelt - denn was einmal zu Nano­plastik fragmen­tiert ist, lässt sich weder aus der Umwelt noch aus dem mensch­li­chen Körper zurück­holen. Im persön­li­chen Bereich lassen sich Quellen reduzie­ren: Leitungs­wasser statt PET-Flaschen, Natur­materialien statt Kunst­faser-Kleidung, keine er­hitzten Plastik­behälter. Aber die eigent­liche Lösung muss auf gesell­schaft­li­cher und regulato­rischer Ebene statt­finden - bei der Produk­tion, nicht beim Konsum.


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